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Sirius Black

Sein Erleben von 1981 bis zu seinem Tod
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Unter Verdacht

Das Feuer loderte hoch und warf große Schatten auf die steinernen Wände des abgedunkelten Raumes. Nur das leise knackende Holz war seit einiger Zeit zu hören. Nach der Warnung Dumbledores, die wie eine große Bombe eingeschlagen hatte, hüllten sich alle in Schweigen und hingen bedrückenden Gedanken nach. James' Arm war um die Taille Lilys geschlungen, ihre Hand lag in seiner anderen. Sirius sah aus dem Fenster und folgte der Silhouette jener großen, dünnen Gestalt, die gerade mit einem kleinen Gegenstand das Licht in die Straßenlaternen zurück huschen ließ.

Als die Kerze vor Sirius flackerte und erlosch, seufzte er leise. Lily gähnte verstohlen, schmiegte sich enger an ihren Mann und durchbrach die Stille.

„Wir haben bisher drei Mal Glück gehabt. Nun können wir nichts weiter tun, als zu hoffen.“

„Hoffen!“ Sirius spuckte das Wort verbittert aus. „Wir müssen etwas tun. Der Orden muss vollkommen neu organisiert werden. Es kann doch nicht sein, dass sich diese verdammten Todesser ungestraft und mühelos einen nach dem anderen von uns schnappen.“ Ungeduldig schlug er mit der Hand auf den Tisch. „Woher wissen sie von unseren Plänen? Wer ist der verdammte Spion?“

„Niemand von uns!“ Remus' Stimme klang entschieden und wurde dann eindringlich: „Wir müssen einander vertrauen.“

Sirius schüttelte den Kopf. „Wir müssen wachsamer werden. IRGENDEINEN Hinweis, irgendetwas muss es doch geben, das wir übersehen. Wer weiß davon, dass Harry im Juli geboren ist? Kaum jemand außer uns! Weshalb denkt Voldemort, dass es um ihn geht?“

„Das alles heißt aber nicht, dass jemand von uns Informationen weitergegeben hat“, beharrte Remus und reichte Peter, der sich nach der Erwähnung Voldemorts vor Schreck mit Butterbier bekleckert hatte, eine Serviette. „Sie hätten es auch so herausfinden können.“

Sirius schnaubte. „Und wie, bitte schön?“ Remus zuckte die Achseln und schwieg.

„Aber wenn es doch jemand von uns war...“, setzte Sirius langsam an und sah zu Lily. Der Anblick schnürte ihm den Hals zu.

Ja.

Wenn jemand unter ihnen zum Verräter geworden war, verlöre er seinen besten Freund, Lily und das Kind, dessen Pate er vor einem Jahr geworden war. Lily erschauderte und erhob sich, schlang die Decke etwas enger um sich und sah traurig in die Runde: „Ich gehe zu Bett“, murmelte sie. James folgte ihr nach einem flüchtigen Gruß ebenfalls und Peter, Remus und Sirius blieben allein zurück. Aufmerksam taxierte Sirius seine Freunde. Niemand von ihnen würde Lily und James jemals verraten. Niemals.

Oder vielleicht doch?

Sirius raufte sich die Haare. Wie kannst du diese Gedanken nur zulassen? Eure Freundschaft besteht seit so vielen Jahren. Und bei den leisesten Ungereimtheiten bekommst du schon solche Gedanken?

Schäm dich!

Doch es half nichts. Sein Blick traf den Remus', der ihn müde und erschöpft erwiderte. Sirius versuchte, sich ihn dabei vorzustellen, wie er mit einer dunklen Gestalt tuschelnd in einer Gasse stand und Informationen des Ordens weitergab, doch das war einfach absurd, unvorstellbar.

Beschämt senkte er den Blick.

Dumbledore wollte eindeutig nicht, dass jemand von ihnen der Geheimniswahrer würde. Vielmehr wollte er selbst den Zauber sprechen, der das Leben der kleinen Familie schützen sollte. Sirius fühlte sich gekränkt, des Misstrauens gegenüber. Doch zugleich kam er nicht umhin sich einzugestehen, dass die Zweifel gegen seine Freunde längst auch sein Herz fest im Griff hatten und es vergifteten. Man könnte meinen, du seist siebzig, so voller Skepsis, Angst und Zweifel. Dabei sagt man den Zwanzigjährigen doch nach, dass sie nichts fürchten. Schöner Gryffindor bist du!

Polternde schob Remus den Stuhl zurück. „Ich muss los, habe heute Nachtdienst.“

„Machs gut, Moony“, rief Peter und wandte sich an Sirius. „Sollen wir noch einen Abstecher in den Pub machen?“ Sirius nickte. Die Oktobernacht war nicht die erste kalte, doch in dieser waren die Straßen glatt geworden. Trotz der kurzen Strecke apparierten sie und drängten sich hastig in das Lokal.

„Moony hat gut reden mit seinem Vertrauensappell“, knurrte Sirius und nahm einen Schluck Butterbier. Peter ließ sein Glas sinken, biss sich auf die Lippe und schüttelte ratlos den Kopf.

„Was ist?“, fragte Sirius. Peter seufzte und rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her.

„Ich weiß nicht“, murmelte er schließlich. „Lauter seltsame Gedanken in meinem Kopf…“ Er sah mit verzweifeltem Blick zu Sirius.

„Gedanken, die mich überkommen, die ich nicht möchte!“ Er schüttelte sich. Sirius setzte sich aufrechter hin.

„Was meinst du damit?“, rief er aufgeregt. Peter zuckte die Achseln.

„Ich habe ihn gesehen… Letzte Woche … mit...“

„JA?“ Sirius Stimme war laut geworden, einige Gäste drehten sich neugierig zu ihnen um und hastig senkte er seine Stimme. „Mit wem?“

„Also… also ich glaube, dass es… dass es Dolohow war. Und kurz darauf waren die Prewetts...“ Er brach ab. „Aber ich habe mich sicher getäuscht! Das ist unmöglich. Ich sage ja, mein Gehirn...“ Sein Ton wurde flehend. „Sirius, es kann nicht sein, oder?“

Sag nein! Befahl sich Sirius. Sag, dass er sich geirrt haben muss!

Er räusperte sich: „Niemals würde Remus… würde unser Moony so etwas tun.“

Peter nickte heftig. „Nein, nie“, bekräftigte er. Sie sahen einander an und Sirius konnte das selbe Gefühl in den Augen des Freundes lesen, welches ihn selbst umtrieb: Furcht.
 

Das Rauschen des Baches wirkte entlastend auf Sirius. James zu seiner Linken lächelte versonnen, während er den kleinen Harry festhielt, der Kieselsteine ins Wasser warf und übermütig lachte. „Den Besen haben wir gegen seinen hartnäckigen Widerstand zuhause gelassen“, rief James und schüttelte sich das Haar aus der Stirn. Sirius grinste. Ja, das konnte er sich nur allzu lebhaft vorstellen. Lily jedoch verzog keine Miene und wandte sich an ihren Mann: „Lass uns nach Hause gehen, ich fühle mich hier unwohl“, bat sie und sah sich nervös nach allen Seiten um.

Augenblicklich verschwand das Lächeln seines Freundes. Er nahm Harry auf den Arm und setzte ihn in den Kinderwagen. Lily blickte Sirius an und holte tief Luft.

„James und ich haben eine Entscheidung getroffen.“ Sirius nickte und wartete.

„Wir lehnen Dumbledores Angebot ab und bitten dich darum, unser Geheimniswahrer zu werden.“

Merlin sei Dank, schoss es Sirius durch den Kopf. Sie haben ihr Vertrauen in mich nicht verloren. „Aber auch du solltest dich verstecken“, fuhr Lily eindringlich fort. Sirius nickte.

„Das habe ich sowieso vor“, brummte er schweren Herzens.

„Irgendwann ist alles vorbei. Irgendwann werden wir wieder in Freiheit leben können...“ Lilys Stimme verlor sich.

Ja, dachte Sirius. Irgendwann. Doch wer weiß, wie viele Menschen wir bis dahin noch verlieren werden.



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Comments to the following chapter: (1)

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Von:  StarCat
2017-03-29T15:29:19+00:00 03-29-2017 17:29
Hallo!
bin gerade über diese FF gestolpert und finde dein Einstieg schon mal sehr gelungen. Du hast einen sehr angenehmen Schreibstil, auch wenn die Kapitel einen Ticken länger sein könnten. Aber das ist ja Geschmackssache.
Ich kann mir gut vorstellen, dass Peter, diese miese Ratte, tatsächlich Sirius gegenüber scheinheilig versucht hat, den Verdacht auf Remus zu lenken, finde diese Stelle sehr gut in Szene gesetzt.
Verstehe überhaupt nicht, warum du so wenige Kommentare hast. Wenn ich dir aber einen Tipp geben darf, versuche mal deine Geschichten (wenn du es nicht schon tust) parallel auf Fanfiction.de zu veröffentlichen. Da ist die Fanbase für Harry Potter größer als hier, da sollten deine FFs auch die Aufmerksamkeit kriegen, die sie verdienen. :)

Liebe Grüße

StarCat
Antwort von:  Liliputh
03-29-2017 19:38
Huhu,

vielen Dank für deinen Kommentar, freut mich sehr!
Was die Länge angeht, habe ich so als Minumum 1 000 Wörter, viel mehr würde mir zu einer einzelnen Szene gar nicht einfallen.
Ja, animexx ist ein bisschen verschlafen ;) Ich bin sogar auf fanfiktion und harrypotter xperts ^^
Die meisten Kommentare bekomme ich eigentlich auf YouTube, mittlerweile :)

Viele Grüße,
Liliputh


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