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Sirius Black

Sein Erleben von 1981 bis zu seinem Tod
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Eine zündende Idee

Sirius wusste zunächst nicht, was ihn geweckt hatte. Seine Zunge klebte am Gaumen, er versuchte, zu schlucken, doch sein Mund war wie ausgedörrt. Mit schweren Gliedern stieg er aus dem Bett, ging mit bloßen Füßen auf dem kalten Stein zur Küche und griff gierig nach dem noch gefüllten Becher. Gedankenverloren ließ sich Sirius auf den Stuhl sinken und starrte zum Mond hinauf. In weniger als einer Woche würde dieser so hell leuchten, dass Moony sich wieder einmal verstecken musste, um sich und andere zu schützen. Wehmütig legte Sirius den Kopf auf die Tischplatte.

Bei Vollmond vermisste er das Schloss und besonders die Ländereien noch mehr als üblich. Doch mittlerweile erfüllte der Vollmond ihn nicht nur mit Sehnsucht, sondern auch Angst: Bei Vollmond würde Fenrir Greyback, diese Bestie, wieder zuschlagen und in den Schlagzeilen der darauf folgenden Tage dominierten die Schreckensnachrichten des Werwolfes alle anderen.

Dabei hat Moony noch Glück gehabt, dass Dumbledore ihm eine Chance gegeben hat, dachte Sirius. Viele andere fristen ihr Dasein nach den Attacken als Ausgestoßene, bis sie selbst zu Tätern werden.

Erneut drängten sich ungebetene Bilder vor Sirius inneres Auge. Doch nun war er zu müde, um ihnen entgegenzutreten.

Wenn man die Sache mal ganz objektiv betrachtet, kann er es sein, so wie jeder andere auch. Und Peter meinte ja, Remus gesehen zu haben. Erschöpft und rastlos sprang er auf, lief verzweifelt die Küche auf und ab. Er ertrug seine Gedanken nicht, er ertrug die Enge nicht, er musste hier raus!

Frei und leicht auf vier Pfoten zu laufen, bis die Erschöpfung die Angst und die Zweifel vertreiben würde.

Kein Geräusch war zu hören, als Sirius mit gespitzten Ohren den Flur betrat. In diesen Zeiten musste er mehr denn je auf der Hut sein. Niemand durfte ihn bei seiner Verwandlung beobachten. In einer Ecke hinter den Müllkübeln fühlte er sich schließlich sicher genug und kurz darauf jagte ein großer, zottiger Hund mit weiten Sprüngen dahinter hervor.

Seine geschärften Sinne nahmen jedes Geräusch wahr, Schritte von der Straße, Gelächter und das Scharren der Ratten in einem Loch. Ihr strenger Geruch stieg ihm in die feuchte Nase. Unvorstellbar, dass echte Hunde sich von so etwas ernähren, dachte er und verlangsamte allmählich sein Tempo.

Im Mondlicht glitzerte der Bach geheimnisvoll, Kieselsteine drückten sich in Sirius' Tatzen.

Hier hatten sie zu Viert gestanden. Hier war er endgültig zu dem Menschen geworden, dem Lily und James ihr Leben anvertrauten.

Und wenn es ein Fehler ist?

Was, wenn Remus doch…? Was, wenn nur wenige Stunden nachdem ich den Zauber gesprochen habe Todesser kommen, um mich mit Gewalt zum Reden zu bringen?

Er vergrub den Kopf unter den Vorderpfoten und hörte ein leises, qualvolles Fiepen. Erschrocken verwandelte er sich, sein Herz raste. Nie zuvor hatte er von sich selbst einen solchen Laut vernommen. Gänsehaut breitete sich aus.

Ernüchtert richtete er sich auf. Es gibt kein Entkommen. Wenn ich den Zauber ausgeführt habe, fliehe ich. Bloß wohin?

Jedoch…

Plötzlich stand er stocksteif da. Die Todesser würden sich gewiss an ihn wenden, jeder konnte an einer Hand abzählen, dass die Potters ihn auswählen würden.

Was, wenn er mit Peter die Rollen tauschte? Der Gedanke elektrisierte ihn. Die Ausstrahlung ihres kleinen Freundes wäre in diesem Fall absolut perfekt! Schwach, hilflos und ängstlich.

Voldemort würde niemals erwarten, dass die Familie ihm diese Aufgabe geben würde. Ein breites Grinsen breitete sich auf dem Gesicht des jungen Mannes aus. Endlich hatte er einen Ausweg gefunden.
 

„Wer ist da?“, erklang die misstrauische, ängstliche Stimme Peters.

„Ich bin es“, zischte Sirius. „Tatze.“

„Du?“ Das verblüffte Gesicht erschien im Türspalt. „Ist etwas geschehen? Es ist mitten in der Nacht.“ Wortlos drängte sich Sirius in die Wohnung.

„Ich habe eine Idee“, rief er aufgeregt. Und dann erzählte er.
 

Lily hatte die Beine dicht an den Körper angezogen, die Arme um die Knie geschlungen.

„Du möchtest mit Peter tauschen? Weshalb? Und was sagt Moony dazu?“

Unbehagen stieg in Sirius auf. Genau dies war die Frage, die er am Meisten gefürchtet hatte.

„Also … Ich...“, stotterte er und scharrte mit den Füßen.

„Du hast es ihm nicht gesagt?“ James' Stimme klang entsetzt. Schuldbewusst zog Sirius den Kopf ein. „Nein“, murmelte er, intensiv seine Schuhspitzen betrachtend.

Lily legte den Kopf auf die Knie, die Schultern begannen zu zucken. Mit drei großen Schritten durchquerte James das Wohnzimmer, setzte sich neben seine Frau und drückte den bebenden Körper an seine Brust.

„Was ist nur aus uns geworden?“, schluchzte Lily und hob das tränennasse Gesicht aus den Händen. „Wie weit ist es gekommen, dass wir den besten Freunden nicht mehr trauen können?“ Beinahe zornig befreite sie sich aus James Umarmung und stürmte die Treppenstufen hinauf.

Die Stirn in tiefe Falten gelegt sah James ihr nach. „Erzähle mir bitte, was mit Moony ist“, bat er monoton. Keine Emotionen färbten seine Stimme. Die Gefühlsachterbahn durch die permanente Bedrohung schien den besten Freund abgestumpft zu haben.

„Ich weiß nicht mehr, was ich denken soll“, meinte James nach den Ausführungen Sirius. „Du bist seit zehn Jahren mein bester Freund und ich traue deinem Urteil. Ich werde mit Lily sprechen.“
 

Die Sonne färbte den Himmel in ein sanftes Rot, als die beiden Männer am Haus der Potters eintrafen. Peter nahm aus unerfindlichen Gründen nicht wahr, wie Sirius den Blickkontakt suchte. Sein Atem ging schneller und keuchender als üblich, er sah blass aus. Schweißperlen bedeckten die Stirn. Sirius legte ihm die Hand auf die Schulter.

„Du wirst das hinkriegen“, versuchte er, den Freund zu beruhigen. „Ich bin ja bei dir.“

Peter spannte seine Schultern an und nickte, beide Lippen zusammen gepresst. Eilig ging er auf das Haus zu und klingelte. Die Tür flog auf, und eine kleine, schwarzhaarige Gestalt flog jauchzend an ihnen vorbei. Peter schrie auf und presste sich gegen die Wand des Vorbaues.

Sirius fing den auf sich zuschießenden Kleinen auf, herzte ihn und lachte angesichts Peters, der sich noch immer die Hand gegen die Brust presste, schallend.

„Kommt bitte rein“, rief Lily, deren angespanntes Gesicht aus der Haustür lugte. Wortlos nahm sie Harry aus Sirius Armen und trug ihn die Treppe hinauf.

Nacheinander traten die beiden Freunde in den Flur. Sofort überfiel Sirius ein eigentümliches Gefühl, als wäre er auf einer Zeremonie.

Oder wie auf einer Beerdigung, dachte er schaudernd. James, Peter und er stellten sich in einem Halbkreis auf und starrten zur Tür. Endlich erschien Lily und stellte sich unaufgefordert zu ihnen.

„Bist du bereit?“, fragte James und sah zu Peter. Dieser zitterte nach wie vor leicht, doch als er nickte, wirkte er entschlossen. Während die Schatten im Wohnzimmer immer länger wurden, erklang Peters Stimme laut und sicher durch den Raum.

Als Sirius wenige Stunden später das Haus verließ, leuchteten am Himmel die Sterne.



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