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Sirius Black

Sein Erleben von 1981 bis zu seinem Tod
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Zerstörte Hoffnungen

Sirius erwachte von einem fremd klingenden Schrei. Müde, mit noch geschlossenen Augen, streckte er die Arme über den Kopf und ertastete metallische Stäbe. Nun nahm er auch den salzigen Geruch wahr und öffnete verwundert die Augen. Eine Möwe saß auf dem winzigen Fensterbrett und beobachtete ihn. Sirius erkannte sofort, dass ihr Schrei es war, der ihn geweckt hatte.

Mit steifen Gliedern erhob Sirius sich, ging zum Fenster und streckte der Möwe eine Hand entgegen. Das Tier schien zu überlegen, flog jedoch davon, als sich die Zellentür laut quietschend öffnete und ein Dementor erschien. Die Kälte raubte dem Gefangenen beinahe den Atem. Obwohl stetes zwei dieser Horrorgestalten vor der Zelle wachten, wurde die Luft durch den einen Meter um mindestens fünf Grad kälter. Wortlos stellte die Gestalt das Frühstück auf den Tisch und drehte sich um.

„Moment!“ Trotz des heftigen Zitterns der Knie klang seine Stimme kraftvoll und selbstbewusst. Ermutigt dadurch, ging er einen Schritt auf den Dementor zu.

„Wann ist der Prozess? Wie geht es weiter?“ Der Dementor hielt in seiner Bewegung inne, schien einen Moment lang zu stutzen und drehte sich dann zu dem Gefangenen um. Das Wesen atmete tief und rasselnd ein, doch Sirius war es, als sauge der Dementor weniger Luft ein, als seine Kraft. Heftig schwankend klammerte er sich an dem Bett fest, als die Bilder der Toten auf ihn einstürmten.
 

Ich. Bin. Unschuldig. Der Gedanke erschien hell wie gleißendes Licht, die Bilder wurden schwächer und verschwanden allmählich. Ich. Bin. Unschuldig. Das unkontrollierte Zittern ließ nach, die Luft erwärmte sich, doch der Dementor hatte die Zelle nicht verlassen. Sirius fühlte sich an einen Patronus erinnert, doch keiner war zu sehen.

„Es wird am Nachmittag jemand das Urteil verlesen.“ Die Gedanken überschlugen sich.

„Urteil?“, schrie er entsetzt. „Es gab doch noch gar keinen Prozess? Wie kann es möglich sein, dass…?“ Doch der Dementor war gegangen. Hilflos und wütend starrte Sirius durch die Stäbe, hinter denen lediglich unbewegliche Schatten die Anwesenheit der Kreaturen verrieten. Er steckte den Kopf so weit wie möglich durch die Gitter und redete weiter, doch eine Entgegnung blieb aus. Von überall her waren Stimmen zu hören, doch keine war verständlich.

„Gib's auf, Mann. Wer hier einmal ist, kommt auch nicht raus.“ Überrascht drehte Sirius den Kopf: Zu seiner Linken, einige Zellen weiter und somit im Dunklen verborgen, hatte eine Frau gesprochen. Sirius erkannte die Stimme nicht, doch noch ehe er ihr Antworten konnte, näherten sich ihm die Dementoren und Sirius zog hastig den Kopf zurück.
 

Unruhig ging er auf und ab. Das durfte doch alles nicht wahr sein! Würde er die Gelegenheit bekommen, sich zu verteidigen, könnte er alles erklären: Den Plan mit dem Fidelius Zauber, das Misstrauen gegen Remus und die tödliche Entscheidung, dem Schwächsten seiner Freunde zu vertrauen.

Peter… Zerrissen durch seinen eigenen Sprengfluch. Peter, der Verräter, den er ermordet hatte. Sirius richtete sich auf und ballte die Fäuste. Selbstjustiz hin oder her, er würde es jederzeit genauso machen und wenn er dafür sein restliches Leben hier sitzen musste. Grimmig nahm er auf der Pritsche Platz und wartete.
 

Die Hexe wirkte keinen Tag älter als Sirius. Nervös trat sie ein, flankiert von den Dementoren und rieb sich die Nase. Sirius sprang auf, blieb jedoch stehen, als sie einen Schritt zurück wich. Das Emblem auf dem lilafarbenen Umhang zeigte Sirius, dass hier seine letzte Rettung stand. Behutsam trat Sirius einen Schritt zurück, wies einladend auf den Stuhl und zwang sein Gesicht zu einem freundlichen Lächeln. Die Beamtin räusperte sich.

„Mein Name ist Helena McDonald, ich bin im Auftrag der Abteilung für Magische Strafverfolgung hier, um Ihnen das Urteil zu verkünden.“ Sirius gequältes Lächeln verschwand. Als er sprach, nahm er das Flehen kaum zur Kenntnis.

„Mrs McDonald, es gab doch noch nicht mal einen Prozess. Wie ist es dann möglich, dass Sie mir nun bereits das Urteil bekannt geben?“

Die Ministeriumshexe erwiderte seinen Blick nicht, sondern sah stattdessen einen knappen Meter über ihn.

„Aufgrund der Zeugenaussagen und Ihrer eindeutigen Schuld wurde entschieden, dass Ihre Anwesenheit für den Prozess nicht erforderlich ist.“

„Wer hat das entschieden?“, fauchte Sirius und vergaß ganz, freundlich zu sein.

„Der Leiter der Abteilung, Bartemius Crouch.“ Ihr Tonfall war nach Sirius Ausbruch kühler geworden, die Nervosität war gewichen. Sirius spürte, wie die Dementoren und die Hexe das Gefühl der Hoffnungslosigkeit verstärkten. Verzweifelt sah er sie an. Nun erwiderte sie seinen Blick direkt. Keine Regung war zu sehen.

„Ich denke, wir können beginnen.“ Mrs McDonald suchte in einem dünnen Stapel Pergament und zog schließlich eines der Seiten hervor. Die Namen von Vorsitzendem, Beisitzern, Protokollführern und viele Details mehr zogen an Sirius vorbei, ohne haften zu bleiben.

„Hauptzeuge: Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore.“ Sirius zuckte zusammen und hob den Blick von dem steinernen Boden. Jedes Wort schmerzte, während er wie hypnotisiert an den Lippen der Beamtin hing.

„… wegen Mordes und Verrates von Lily und James Potter, Peter Pettigrew sowie einunddreißig Muggeln zu einer lebenslangen Haftstrafe in Askaban verurteilt.“

„Ich bin unschuldig“, wisperte Sirius, doch die Hexe ignorierte es. Sie erhob sich, ebenso Sirius.

„Bitte, ich bin unschuldig“, rief Sirius. „Lassen Sie mich aussagen, ich werde alles erklären. Bitte. Oder Dumbledore. Ich muss Professor Dumbledore sprechen.“ Die Hexe ging schweigend an ihm vorbei. Sie durfte nicht gehen!

Sie musste ihm glauben!

Sirius griff nach ihrem Ärmel und umklammerte ihn, doch Sekunden später hielt sie den Zauberstab in der Hand und die kalten Hände der Dementoren schleuderten ihn auf das Bett.

„Bleiben Sie“, rief Sirius hoffnungslos. Die Gitter schlossen sich und mit ihnen verschwand der Rücken der Hexe in den Gängen des Gefängnisses.
 

Eingesperrt. Lebenslänglich. Der emotionslose Tonfall der Hexe verfolgte ihn. Ich habe sie nicht ermordet, dachte Sirius. Klammerte sich an den Gedanken, der das Einzige war, dass ihn vor dem Wahnsinn zu retten vermochte. Das Frühstück stand noch auf dem Tisch, doch der Appetit war ihm vergangen. Zitternd sah er sich um, wieder und wieder. Er würde den Rest seines Lebens hier sitzen müssen. War der Tod dem nicht vorzuziehen? Die Bilder von Lily und James traten jäh vor sein inneres Auge. Wie schön es wäre, mit ihnen wenigstens im Tode wieder vereint zu sein.

Heftig schüttelte Sirius den Kopf. Es war nicht sein Ziel, im Alter von 21 Jahren aufzugeben. Er hatte niemals aufgegeben. Er war unschuldig!

Doch wie viel Zeit würde verstreichen, bis ihm jemand Glauben schenkte?

Halte durch, murmelte er. Halte durch und überlebe. Und obwohl seine Kehle wie zugeschnürt war, setzte er sich an den Tisch und zwang das Essen in den entkräfteten Körper.
 

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Anhören könnt ihr euch das Kapitel hier:

https://www.youtube.com/watch?v=-VpcEuyn7NI



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